100 Jahre TSV Friesen Hänigsen

Am Samstagabend, den 08.03.2008 fand der Festakt zum 100-jährigen Bestehen des TSV Friesen Hänigsen in der Ballspielhalle am Moorgartenweg statt. Eingeladen waren Vereinsmitglieder, Sponsoren, Vertreter aus der Politik und Repräsentanten von Sport-Fachverbänden befreundeter Sportklubs und Hänigser Vereine.

Das mehr als zweistündige Programm bot nicht nur einen Überblick über die Vereinsgeschichte, sondern gab auch einen Einblick in die sportlichen Fähigkeiten der verschiedenen Abteilungen.

Seit 1982 steht der 81-jährige Willy Schmotz an der Spitze des TSV Friesen Hänigsen. Der temperamentvolle Hänigser, der früher nicht nur Fußballspieler und Trainer in Hänigsen war, sondern auch das Amt des Fraktionschefs der SPD in dem Rat der damals selbstständigen Hänigser Gemeinde bekleidete, setzte sich schon immer für den Sport ein. Deshalb übernahm er auch vor 26 Jahren nach einer Führungskrise den Vorsitz des Turn- und Sportvereins Friesen Hänigsen.

Der Sportverein ist nach dem Freiheitskämpfer und Mitbegründer der Turnkunst Karl Friedrich Friesen benannt. Er war sowohl Weggefährte des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn, als auch Urheber vieler Turnübungen.

Die Anfänge der Friesen reichen etwas mehr als 100 Jahre zurück. Im Herbst 1907 trafen sich regelmäßig junge Hänigser, die in der Diele der ehemaligen Ewaldschen Gaststätte trainierten. Allerdings fand die offizielle Gründung des Männerturnvereins Friesen am 1. November 1908 statt. Wie der Name schon aussagt, waren Frauen zunächst unerwünscht.

Am Anfang herrschten strenge Regeln bei den Turnern. Die Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren mussten sich erst beweisen, wenn sie eintreten wollten. Neben dem Gehorsam der Mitglieder für die Turnwarte waren auch Essen, Trinken und Sprechen während der Trainingsstunden verboten. Eine Verbesserung der Trainingsbedingungen erlangten die Friesen durch den Bau des Gemeindegasthauses Sachsenross im Jahre 1910. Ein Jahr später fand dort Ostern auch das erste Schauturnen statt, was bei dem Publikum sehr gut ankam und dadurch die Mitgliederzahl von 80 auf 120 Teilnehmer anstieg. Doch nicht nur das Schauturnen war ein großes Highlight, auch die erste Vereinsfahne und die Fahnenweihe wurden im selben Jahr ausgiebig gefeiert.

Nachdem man den ersten Weltkrieg mühsam überstanden hatte, bot man danach sowohl Kinderturnen, als auch Gymnastik für Frauen an. 1928 folgte der erste Sportplatz, der an dem 20-jährigen Jubiläum in Betrieb genommen wurde. Nun wurden auch Fußball und Feldhandball angeboten. Allerdings verboten die Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg die bestehenden Sportvereine.

Doch wieder am 1. November wurde ein neuer Verein, der Spiel- und Sportverein Hänigsen ins Leben gerufen, der sich aber schon ein Jahr später in den Sportklub Hänigsen umbenannte. Allerdings ließ der ehemalige MTV Friesen Hänigsen nicht lange auf sich warten. Er wurde 1949 wieder gegründet, was zum sofortigen Streit beider Vereine führte. Dieses Problem wurde aber schnell mit der Fusion beider verabschiedet. Der neue Zusammenschluss nannte sich Turn- und Sportverein Friesen von 1908.

 Mit dem 1956 errichteten Schwimmbad gehörte auch Schwimmen zum Repertoire der Hänigser. Und auch das nächste große Ereignis ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem 1957 ein neues Stadion in einem Kiesgrubengelände gebaut wurde, stiftete der damalige Vereinschef Johann Köttermann 15 Jahre später eine Traglufthalle, damit genug Hallenzeiten für die vielen Mannschaften bereit stehen. 1989 folgte die Fertigstellung der Ballspielhalle, nachdem im Vorjahr die Traglufthalle aufgrund von Eisregen zusammengebrochen ist. Mittlerweile misst der Verein über 1650 Mitglieder, wobei die Hälfte jünger als 18 Jahre ist und kann sich über elf Abteilungen freuen: Turnen, Fußball, Handball, Tischtennis, Schwimmen, Tennis, Baseball, Badminton, Judo, Wandern und Tauchen.

Das Aushängeschild des TSV sind die Turner. Sie haben schon zahlreiche Titel, wie Niedersachsen- oder Norddeutscher Meister für sich entscheiden können. Die Sparte misst rund 600 Teilnehmer im Alter von 6 bis 25 Jahren und ist damit die größte Abteilung der Friesen. Ihr bisher großartigster Erfolg war der 5. Platz bei den deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr. Doch nicht nur national sind die Friesen erfolgreich, auch international haben sie einiges zu bieten. Die Turnerinnen nahmen nämlich an der Weltgymnaestrada 2003 in Lissabon teil. Bei diesem Sportereignis mit 26000 Turnern aus 55 Staaten durften die Hänigser bei der Aufführung des Deutschlandbildes mitwirken. Diese Darbietung wurde von der internationalen Fachorganisation der Turner und Gymnasten als beste Vorführung ausgezeichnet. Jedoch war dies noch nicht alles, der Soloauftritt der Friesen wurde sogar als bester deutscher Auftritt ausgezeichnet. Vier Jahre später wurden erneut 15 Turnerinnen des TSV für Deutschland zur Weltgymnaestrada eingeladen.

Das größte Highlight in der Hänigser Vereinsgeschichte dürfte dennoch das Spiel gegen den FC Bayern München im Achtelfinale des DFB-Pokals 1984 gewesen sein. Die Grundlage für dieses Los wurde ein Jahr zuvor durch den Gewinn des Niedersachsenpokals gelegt. Im ersten Ausscheidungsspiel bezwang man den Zweitligisten VfL Osnabrück in der Verlängerung mit 5:2 und wuchs somit über sich hinaus, da es nach 90 Minuten erst 2:2 stand. Nach großer Euphorie kam die Ernüchterung, denn der nächste Gegner sollte der große FC Bayern München sein. Das stellte das ganze Dorf mit deinen 5500 Einwohnern vor eine große Aufgabe. Es mussten Tribünen gebaut werden, denn das Stadion hatte damals nur Platz für 5000 Menschen. Natürlich war dieses Fassungsvermögen für so ein Ereignis viel zu wenig, doch nach der Errichtung der geliehenen Tribünen gab es Platz für 16000 Fußball begeisterte Zuschauer. Darüber hinaus mussten auch die Parkmöglichkeiten, die problemlose An- und Abreise und die Verpflegung der Zuschauer geregelt werden. Für die Spieler war es auch nicht ganz leicht, da sie zum ersten Mal beim Training von Kameras gefilmt wurden.

Am 12. November 1984 war es dann endlich soweit: Die Bayern unter dem Trainer Udo Lattek und die Spielerstars Lothar Matthäus, Klaus Augenthaler und Michael Rummenigge waren da! Die Anspannung war groß und man wollte die Sensation schaffen. Zu Beginn sah es auch recht gut aus, aber als nach 33 Minuten das erste Tor gefallen ist, dominierten die Gäste das Spielgeschehen. So endete das Spiel 8:0 für die Bayern. Jedoch war das nebensächlich für die Friesen, denn wann hatte man schon einmal so eine Begeisterung ausgelöst oder sich mit Bayern München messen können.

Für die kommenden Monate sieht der Verein aber noch mehr großartige Veranstaltungen vor: Am 30. April wird der Tanz in den Mai in der Tanzschule Pistor organisiert, die Handballsparte wird vom 13. bis 15. Juni ein Fest für Kinder auf der Liegewiese des Freibades ausrichten, darüber hinaus wird ein Stadionfest am 29. Juni stattfinden, wo sich alle Sparten sportlich präsentieren und zu guter Letzt wird Hannover 96 im September gegen die Friesen spielen.

Kevin Loh (9.3.2008)